Eigentlich dachte ich ja, ich hätte jetzt allmählich alles gesehen, was es so gibt auf dieser Welt. Mit einem Jahr denkt man so was.

Zum Beispiel Hundeausstellungen – habe ich doch schon zweimal mitgemacht, da kann mich doch nichts mehr erstaunen. Doch am letzten Wochenende musste ich meinen Horizont um ein, zwei Dimensionen erweitern. In Neumünster, bei der großen Hunde-Ausstellung des Nordens, waren wirklich viele Hunde!
So viele Gerüche und Geräusche, der Wahnsinn! Nicht dass mich das besonders stört, so lange die Chefin und die Leckerchen-Quote in Ordnung sind, bin ich es auch.
Ginny und Jack waren auch mit dabei: Ginny durfte in einem Korb sitzen, damit die Leute nicht aus Versehen auf sie drauf treten. Die Chefin war völlig stolz auf unsere Maus: mit 8 Jahren ist sie ja schon ein älteres Semester, aber sie hat eisern durch gehalten und fünf Vorführungen mit anhaltender Begeisterung durchgehalten. Und das bei Prinzessin Mimosa, die sich sonst gerne ziert und nach kürzester Zeit deutlich zeigt, dass sie die kleine Nase voll hat. Nichts davon, Jack-Russell-Charme von hinten bis vorn!
Jack hatte erwartungsgemäß am meisten zu kämpfen: da er als echter Hüter immer versucht alle Eindrücke zu verstehen und einzuordnen, damit er uns im rechten Moment auch beschützen kann, musste er hier an seine Grenzen kommen. Getanzt hat er trotzdem schön, als Jack Sparrow eben, mit kleinen Ecken und Kanten, aber ohne aus dem Ring zu hüpfen und auch ohne Bellen, die Chefin war ganz stolz auf ihren tapferen kleinen Teufel.
Für mich war es auf dem grünen Teppich genauso wie auf den bereits bekannten blauen, einmal auf und ab geschwebt, dann konnte es losgehen.




Die Chefin lachte vergnügt, als sie merkte, dass mich die Atmosphäre nicht beeindruckte – ihr Carlchen flitzte durch die Beine, lief vorwärts und rückwärts zwischen den Beinen, schmiss sich ins „Tot“ und warf die Pfoten, dass das Publikum klatschte.



„Carlos, manchmal bist Du mir unheimlich, wie kann man mit einem Jahr nur so cool sein?“, fragte sie mich hinterher leicht erschüttert.
Wieso, Carlito Colombo, Golden von Welt und schon mit wenigen Wochen überaus stattlich und wohlproportioniert, kann ja wohl mit Elvis im Rücken und der Chefin neben sich, so ein paar Zuschauer beeindrucken - ha, locker, mit einem Lächeln auf den Lippen!
Wir waren natürlich nicht allein in Neumünster, wir waren ein stattlicher Trupp von Dogdancern, die den Ring rocken wollten. Einige gute Bekannte, wie Lea und Lilly, die sich mit ihren Menschen im Quartett versuchten, Pebbels und Mio, die bunten Power-Aussies, sowie die Tanz-Möpse Jule und Marla und die Labi-Dame Samantha, die auch beim Dogdance-Turnier dabei waren.





Es war eine sehr familiäre Atmosphäre, bis auf Jack waren alle ganz entspannt, und selbst der ließ sich mit Leckerchen aufmuntern.
Am Sonntag war sogar mein kleiner Freund Merlin dabei – er will jetzt auch Dogdancer werden!


Am Sonntag war es übrigens noch netter als am Vortag, die Menschen hatten sich alle entspannt, die Luft war nicht ganz so geruchsüberladen, und wir Vierbeiner wussten schon um was es ging, und legten uns ins Zeug die vielen Menschen zu begeistern.
Erst hatten Ginny und ich eine kleine Vorführung ganz für uns allein. Die Chefin zeigte Dogdance mit einem und zwei Hunden und ich konnte zeigen, dass ich mit Bosse einen guten Lehrer gehabt habe: Ginny lief um mich herum, vorwärts und rückwärts unter mir durch und sprang über meinen Rücken und meine Pfote. Die Chefin war ganz gerührt, dass ich genauso ruhig und vorsichtig war, wie früher Bosse, ich habe mir auch besonders Mühe gegeben.
Dann waren wir wieder auf dem grünen Teppich und wenn das überhaupt ging, lief es noch besser als am Samstag – ich bin ein Showdog!



Eigentlich wollte ich nach dem ganzen Trubel nur noch schlafen, aber die Chefin fuhr mit uns noch zu ihrer Freundin Iris an die Schwentine, wo das Wochenende in einer feuchtfröhlichen Wasserschlacht endete. Sehr laut und wild und nass – alle haben ordentlich Dampf rausgelassen, es war ganz großartig!
Hundeausstellungen sind ja gut und schön, aber so eine Wassertoberei ist doch das Höchste der Gefühle! Hier bin ich Hund, hier will ich sein!



Es grüßt Euch, Euer Carlito-the-Dogdancer

P.S. Ganz herzlichen Dank an Kerstin, die die wunderbaren Fotos gemacht hat!