Leute, ich sage Euch, das Leben ist nicht so einfach!
Die Chefin hatte letztes Jahr in einem Anfall geistiger Umnachtung einer Bekannten die Zusage gemacht ihren Hund über Himmelfahrt zu hüten.
Weil wir ja sonst nichts zu tun haben!

Ja, und nun war der Termin da und die Familie wollte in Urlaub fahren (wann fahren wir eigentlich mal in Urlaub?) und es wäre doch so wunderbar und so wichtig und bei uns ist es ja auch so schön und der Hund lernt noch was, kurz und klein, Freitag Abends zog die schwarze Shiva für eine Woche bei uns ein.

Am Anfang ließ sich alles ganz gut an, Jack war gleich begeistert von der Dame und auch ich dachte, dass wird bestimmt ganz lustig.
Wohlgemut taperten wir alle nach einer Runde Toben ins Haus, Shiva ging gleich mit, da dachte die Chefin noch, das wird ein Heimspiel …
Doch gleich im Flur kam es zum ersten Eklat: Ginny sah Shiva und machte das, was sie bei allen großen fremden Hunden macht, sie knurrte, nach dem Motto „Ich bin wesentlich größer als ich aussehe, lass mich bloß in Ruhe.“ Andere Hunde akzeptieren diese Ansage und lassen Ginny dann links liegen, nicht so Shiva, sie baute sich groß und schwarz über Ginny auf, und wollte „Hallo“ sagen. Auch als aus dem Knurren ein Zähnefletschen wurde, ließ sie nicht locker. Nicht böse, eher trampelig, aber unser Püppi kann mit so etwas nicht umgehen, sie fing an zu schreien. Aber da war dann glücklicherweise die Chefin da und drängte Shiva weg.
Für Ginny war der Besuch damit gestorben, sie bekam echt die Krise, sobald Shiva nur in ihre Nähe kam. Und die ließ nicht locker, jedes Mal wollte sie sich wieder über Ginny beugen. Das Problem ließ sich lösen, in dem Ginny für die nächsten Tage mit Mette zur Oma zog, aber das war natürlich nicht so geplant gewesen.
Ich wäre am liebsten auch gleich mitgezogen, aber der Golden ist ja belastbar, der hält das aus. Doch wir kamen alle an unsere Grenze: Normalerweise ist der Umgangston bei uns im Haus sehr leise, die Chefin muss höchstens mal grummeln, wenn sich einer daneben benimmt.
Nicht so bei „Madame Panzer-Lilly“ - sie reagierte eigentlich auf gar nichts, machte weder „Sitz“ noch „Bleib“ oder auch nur „Geh auf Deinen Platz“. Sobald eine Tür vor ihr verschlossen wurde, fing sie laut an zu jaulen oder gegen die Tür zu springen. Die Katzen wurden wieder und wieder bedrängt und kein Huhn und keine Ente durfte mehr einen Gang durch den Garten machen.
Die Chefin war genervt, der Chef zog aus dem Schlafzimmer aus, weil der Hund nicht zu Ruhe kam, und Jack und ich liefen wie eingeschüchterte Geister durchs Haus.



Sobald die Chefin wieder eine scharfe Ansage machen musste, lag ich flach wie eine Flunder im Gelände - ich bin wohl doch ein bißchen weich gespült - mit dem Erfolg, das ich gar nicht mehr mit in den Garten gehen wollte und mich abends in meine Box verkrümelte.
Erst ganz langsam, fügte Shiva sich in unser Leben ein, erst funktionierte das „Sitz“, dann konnte sie auf ihrem Platz auch mal entspannen und ihr Futter in aller Ruhe zu sich nehmen.
Nachdem sie vor lauter Aufregung am ersten Tag noch in die Wohnung gemacht hatte, schaffte sie es zunehmend sich immerhin im Garten zu lösen, auf dem Spaziergang war es ihr bis zum Schluss kaum möglich.
Jack und die Chefin haben sich auch wirklich viel um sie bemüht und der Panzer bekam leichte Risse.

Als dann Mitte der Woche keine Möbelstücke mehr umgerissen wurden und der Kater endlich wieder in Ruhe fressen konnte, kehrte die gewohnte Ruhe zurück und ich tauchte langsam wieder aus meinem Schneckenhaus wieder auf.
Aber ihr macht euch keine Vorstellung, was hier los war, nachdem Shiva am Samstag abgeholt worden war: Ginny tobte den Flur entlang und konnte sich gar nicht mehr beruhigen, und ich raste wie eine wild gewordene Ziege durch den Garten. Mein Jack war wieder für mich da, ich wurde beim Spielen nicht mehr umgerannt, mir viel eine Zentnerlast vom Herzen. Shiva wäre zu diesem Zeitpunkt sicher gerne geblieben, aber da bin ich Egoist – mein Familienrudel bleibt so wie es ist!!

Liebe Freunde, macht euren Menschen klar, dass ihr bitte nur in eine gut bekannte Umgebung in Urlaub geschickt werden wollt. Zu Leuten, die ihr gut kennt, vielleicht mit netten vierbeinigen Freunden. Wenn dann noch ein bißchen Erziehung vorhanden ist, steht entspannten Ferien nichts entgegen.
Viele Grüße, Euer Carlito