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    21.03.2012, 22:09 Uhr

    Trauriges Intermezzo


    Die Natur ist ein immer währender Kreislauf. Leben entsteht, wird geboren, lebt, kämpft und stirbt, der eine früher, der andere später. Wir Tiere wissen darum. Wir hadern nicht, sondern leben jeden Augenblick voller Intensität, wenn möglich mit Genuss.

    Unser jüngstes Schaf „Beetle“ hatte letzten Freitag ein Lamm bekommen, die Chefin hatte sich noch so gefreut, dass sie es ganz allein ohne Hilfe zur Welt gebracht hatte. Zunächst sah auch alles ganz hervorragend aus. Das Lämmchen war zwar ziemlich klein, aber es hatte getrunken und Beetle kümmerte sich ganz emsig, mähte mütterlich – alles schien in Ordnung.
    Aber das Lämmchen mickerte, es war nicht sehr sicher auf den staksigen Beinen und legte sich am liebsten ins Heu am Unterstand.

    Und so kam es wie es kommen musste, die Herde zog weiter, das zarte Grün der Koppel lockte, und Beetle verlor die Nerven und folgte den anderen Schafen. Eigentlich hätte das Lämmchen mitlaufen müssen, aber es hatte nicht genug Kraft.

    2 Tage sperrte die Chefin die junge Mutter samt Lämmchen und zur Beruhigung mit Stammmutter Bäumel in den Unterstand, aber das Kleine kam nicht richtig in Gang.
    Beim Trinken entwickelte es keinen richtigen Zug, es fand das Euter auch mit Hilfe der Menschen nicht und Beetle wurde immer unwirscher mit dem ungeschickten Zwerglein.

    Wahrscheinlich wäre das Lämmchen schon vor 2 Tagen gestorben, aber die Menschen geben ja nicht so schnell auf. Außerdem haben sie uns Hunde, die ihnen bei all ihren Taten hilfreich zur Seite stehen.


    Jack ist ja sowieso die „Mutter von det Janze“. Er versucht immer die kleinen Lämmer zu putzen, auch wenn die Mutterschafe stampfen und ihn vertreiben wollen. So wild und knalltütig er sich sonst benimmt, aber er hat ein großes Herz für kleine Tiere.

    Wir anderen Hunde halten uns bei den Schafen eher zurück. Wir lassen sie und sie lassen uns in Ruhe, doch diesmal wurden die Karten auf einmal ganz neu gemischt.
    Als die Chefin merkte, dass trotz Zufütterung das Lämmchen immer schwächer wurde und die Mutter sich zunehmend abwandte, nahm sie den kleinen schwarzen Zwerg mit zu uns ins Haus.


    Bosse und ich waren sofort hoch interessiert und leckten dem Kerlchen Gesicht und Popo, wie man, nein hund das eben so macht. Bosse als ehemaliger und ich als zukünftiger Welpenonkel in spe beseitigten alle Milchreste und gaben dem Lämmchen so die nötige Massage um Kreislauf und Verdauung anzuregen.
    Ginny fand das lockige Wesen seeeeehr merkwürdig. Ich glaube, sie konnte sich nicht so richtig entscheiden, ob es – oh Schreck, oh Graus – schon wieder ein neuer Welpe war, den man ordentlich erziehen müsste oder eins von diesen kuscheligen Hundespielzeugen, die quietschen, wenn man sie sich kräftig um die Ohren haut. Auf jeden Fall beäugte sie das Lamm sehr sparsam und die Chefin behielt sie streng im Auge.

    Ich bekam die Oberaufsicht über das Lamm, weil ich am ruhigsten bin, vielleicht auch weil ich die größte Zunge habe.







    Aber das Lämmchen mickerte und wurde zusehends weniger. Irgendwann wollte es die Milch nicht mehr schlucken und hob den Kopf kaum noch, wenn die Menschen es streichelten oder wir zum Schnuppern kamen.

    Letzte Nacht ging es ihm schon ziemlich schlecht und zur Überraschung der Chefin bestand ich darauf mit dem Lamm in der Küche zu schlafen. Sie hat extra die Tür aufgelassen, damit ich ihr nachkommen kann, wenn ich das möchte, aber ich blieb die ganze Nacht in der Küche.

    Heute Morgen ist das Lämmchen dann gestorben, ganz still und leise, als wenn eine Kerze erlischt. Den einen Moment schlug das Herz noch und bis ganz zum Schluss hat es den Kopf der streichelnden Hand entgegen gestreckt, dann war es still und fort.

    Die Chefin war betrübt und sinnierte über Leben und Sterben.
    Wir Hunde hingegen haben den Sonnenschein genossen, Jack und ich sind voller Wonne in unserem Tümpel Moorbaden gegangen. Bosse ist, nachdem ihn unsere Tierärztin Kerstin Trelle chiropraktisch zurecht gerenkt hat, heute wieder richtig mitgerannt und Ginny hat die Menschen mit ihren Capriolen zum Lachen gebracht.

    Wir leben den Tag, jede Stunde ist wichtig,
    Grübeln und Sorgen ist nicht so unser Ding, vielleicht können die Menschen das von uns lernen,
    viele liebe Grüße, Euer Carlito