Die spinnen die Menschen!!
Nachdem ich mich heute Morgen in der Junghundstunde mal wieder in einen Mud-Retriever verwandelt hatte, fing die Chefin an mich mittags zu schrubben und zu bürsten. Dann zückte sie mein „Ritter-Carlos-von-Camelot“-Halsband (ihr erinnert euch – in blau und silber) und ich dachte schon, wir fahren wieder zu so einer lustigen Hunde-Ausstellung.

Von wegen! Wir fuhren auf Schleswig Holsteins schönsten Weihnachtsmarkt nach Dobersdorf.
Erst dachte ich, ich steh im Wald, aber zu meinem großen Erstaunen waren die Bäume alle abgesägt und rochen auch gar nicht nach Wald, sondern irgendwie sauber und ordentlich. Bevor ich die Bäume näher inspizieren konnte, zog die Chefin mich mit den Worten: „Du hebst ja noch nicht das Bein, aber man weiß ja nie ...“ weiter.
Überall standen kleine Häuschen mit Lichtern und herrlichen Düften. Die Menschen trugen alle merkwürdige rot-weiße Mützen (jetzt weiß ich, dass nicht nur die Chefin gerne irgendwelche Stoffgebilde auf dem Kopf trägt) und Tassen in der Hand, aus denen es aber nicht nach Kaffee roch. Alle waren fröhlich, nur der Sohn von der Chefin fand es uncool, dass die Chefin Fotos von mir machte. Wahrscheinlich war er eifersüchtig und hätte auch gerne soviele Leckerchen wie ich bekommen.
Alle wollten Geschenke kaufen und ich fand auch gleich das Richtige für Jack.

Aber die Chefin meinte, sie hätte schon was für ihn, und da mein Taschengeld ja immer in Form von Naturalien ausgezahlt wird, kann ich Jack höchstens die Reste von Hubbakong schenken, den Ginny kaputt gebissen hat.
Wir gingen in ein wirklich großes Haus, wo gerade ein Wettkampf stattfand: wieviele Menschen kann man auf einmal in ein Haus quetschen? Den Rest der Familie hatten wir sofort verloren, ein Glück, dass ich die Chefin an der Leine hatte, sonst wäre es uns schlecht ergangen.
Mir waren die Leute ja völlig schnurtz, meine Leckerchen-Quote stimmte und die Chefin passte auf, dass mir keiner auf die Pfoten trat. Aber eine entzückende Jack-Russell-Maus mit Fledermausohren war völlig panisch und versuchte ihre Leute hektisch zum Ausgang zu zerren. Einem Ridgeback schaute die Rute fast schon vor der Brust raus und ein gemixter Border Collie schlich ganz verstört hinter seinen Leuten her. Ich glaube die Leute sollten mal echt überlegen, ob sie ihrem hund einen Gefallen tun, wenn sie ihn zu so einem Kuddelmuddel mitnehmen: Tausend Gerüche, zehntausend verschiedene Geräusche und überall unzählige Lichter und Lampen.

Natürlich gab es auch alte Hasen, die gelassen an der Seite ihrer Leute dahin trabten, aber das waren die wenigsten.
Damit wir auch ein paar Geschenke kaufen konnten, musste ich für die Chefin Mützen Probe tragen und sollte dann den Bernstein bestaunen, ich sag`s ja, die spinnen die ...


Danach war ich ganz schön erledigt, auch ziemlich satt vom Punschgeruch und all den Leckerchen. Die Chefin merkte, dass meine Coolness wohl bald in Abschnarchen kippen würde und so bugsierte sie ihre Familie samt Geschenken schnellstmöglich zum Auto zurück.
Nächstes Jahr bin ich dann auch schon einer von den alten Hasen, ein Weihnachtshase sozusagen, oder passt das nicht?
Viele Grüße, Euer Carlito
