Kurz vor meinem 6-Monats-Geburtstag (wisst ihr eigentlich, dass man bei jungen Hunden, jungen Golden Retrievern insbesondere, unbedingt den Halbjahresgeburtstag feiern muss?) habe ich die nächste Schallmauer durchbrochen – ich durfte mit zum Fortgeschrittenen-Obedience.

Gut, der Chef war abends nicht zuhause und die Kids auch nicht und deshalb durfte ich mit, aber das ist ja völlig egal, ich bin sozusagen schon reif für die Uni.
Nachdem die Chefin mich aus dem Familienhundekurs wieder rausgenommen hat – ich wurde wegen „Unreife“ zurückgestellt – und ich schon dachte, jetzt ist es aus mit meiner Karriere, hat das meinem geknickten Selbstbewußtsein wieder Auftrieb gegeben.
Eigentlich ist abends ja nicht so meine Zeit, da halte ich Wachstums- und Schönheitsschlaf, und dann durch die kurvige Nacht zu fahren, fand ich nicht so erhebend. Aber als wir in der hellen Reithalle in Flüggendorf ankamen, lauter nette Hunde um mich rum waren und überraschenderweise mein guter Freund Hajo auf einmal auf mich zu kam, wurde ich doch schnell wieder wach.



Der große Pontus war wirklich ganz schön groß, ich habe meine Rute vorsichtshalber schnell auf Halbmast gesenkt, ich will ja beim ersten Mal nicht gleich unangenehm auffallen. Er war dann auch sehr höflich und freundlich. Auch die anderen Rüden haben mich nicht aufgefressen, Hajo ist ja eh mein guter Kumpel, aber auch Carlo (hihi, der heißt fast genauso wie ich, die Chefin hat es ständig durcheinander gesagt) und Balou waren sehr nett zu mir.
Und dann die Mädchen!! Endlich Mädchen, die gut riechen und nicht rumzicken, Lina und Kymia haben mich wie einen echten Kerl aufgenommen, so mit schnüffel ich an Dir, schnüffelst Du an mir – ich kam mir sowas von erwachsen vor!
Und dann war da Amy, oh Amy, eine Power-Golden-Dame – die Chefin wollte ein Foto von uns machen, aber das ist leider völlig verwackelt, wir waren zu schnell!
Viel zu schnell war die Spielphase vorbei, das ist ein echter Fehler im Vergleich zur Junghundstunde, und UNTERORDNUNG stand auf dem Programm.

Also ich kenne Unordnung, das ist, wenn ich den Inhalt des Papierkorbes zu Konfetti in der Küche verarbeitet habe, ich kenne Verordnung, dass war das mit dem „Auf der Ausstellung wird nicht in den Ring gepinkelt“, aber Unterordnung?
Dann stellte sich heraus, dass es nur ein anderes Wort für „Click und Wurst“ ist, „Fuss“ und „Sitz“ und „Platz“ und so ein Zeug – ich durfte sogar was vormachen. Immer ein großer Schritt und wieder in die Fuss-Grundposition, cool!
Die Großen konnten natürlich alles besser, die konnten das vorwärts, rückwärts und seitwärts, aber das lerne ich auch noch.






Als alle so richtig untergeordnet waren, holte sich jeder einen großen Gummiball – Treibball stand auf dem Programm: Verstehe Welpen bekommen kleine Bälle im Bällebad zum Baden und große Hunde bekommen Treibbälle zum Treiben. Und was bekomme ich? Die Chefin hielt mir mit den Worten „Der passt zu Dir“ einen unkaputtbaren Ferkelball vor die Nase. Ich habe das blöde Teil geflissentlich ignoriert, was heißt denn hier Ferkel?
Stattdessen habe ich voller Bewunderung der schönen Amy zugeschaut – die hatte das mit dem Treiben aber drauf! Ich wollte gleich mitmachen, aber das hat die Chefin verhindert, Spielverderberin!



Anschließend sollten alle ihre Hunde rufen und ab und zu auf halber Strecke ins „Platz“ rufen.

Ich fand mich gar nicht schlecht, aber die Chefin meint, ich wäre nicht schnell genug runter gegangen, wenn da ein Schlangengraben gewesen wäre, wäre ich voll reingefallen. Was die nur immer mit Schlangen hat, egal, im Sand war es gemütlich und ich habe erstmal ein bißchen Siesta gehalten.



Nachdem alle Hunde ausreichend geplatzt waren, durften wir endlich wieder spielen. Diesmal hat es auch mit dem Foto geklappt, wahrscheinlich war ich schon etwas müde und nicht mehr ganz so schnell.

Zum Schluss mussten die Großen noch ein Holzstück im Sand suchen. Gemeinerweise lagen aber ganz viele Hölzchen herum und nur eins war das richtige. Die Chefin nannte das „Geruchsidentifikation“. Ein paar haben wild geschnüffelt und gleich das richtige gefunden aber ich finde, Hajo hat es am besten gemacht, er wollte einfach alle mitnehmen – das ist ein wahrer Apportierer nach meinem Herzen!



Heute Morgen habe ich erstmal ausgeschlafen, so ein Fortgeschrittenen-Kurs ist doch ein bißchen anstrengend, aber bestimmt gehe ich bald mal wieder hin – denn – Freilauf hin oder her – die „Click und Wurst“-Quote ist dort deutlich höher als anderswo!!
Schläfrige Grüße, Euer Carlito