Jetzt ist es amtlich -ich bin wunderschön !!!!! Ich bin ein World Gala Champion, was immer das auch heißt !!
Am letzten Sonntag sind die Chefin, die Tochter von der Chefin, ich und Ginny als Anstandswauwau nach Kellinghusen zur Hundeausstellung gefahren. Mit uns zusammen fuhren Marion, meine Züchterin mit Joey, Nina und Baby Leevy und ihre Schwester Martina mit Baby Ilvi.

Nachdem ich mir am Samstag Vormittag in der Junghundstunde mit meinem Halbbruder Lenny noch eine Stunde Freestyle Wrestling gegönnt hatte, meinte die Chefin: „Ganz ehrlich – Du bist der größte und stattlichste Golden Retriever, den ich kenne – aber jetzt kommst Du in die Wanne!“
Gut, dass kenne ich ja schon, und zugegeben, das ein oder andere Pfund Dreck ist in den Abfluss geflossen, bis darunter ein strahlender creme-farbener Carlos zum Vorschein kam. Als Belohnung gab es ein neues Halsband: in dunkelblau und silber, ich sage Euch, ein Gedicht, sehr angemessen zu meinem Debut in der adeligen Gesellschaft!
In Kellinghusen angekommen erwartete uns eine Halle voll mit Hunden aller Größen und Rassen, die bellten, fiepten, heulten und knurrten – dazu ein Rudel Menschen in den denkwürdigsten Haarfarben und Gerüchen, ein Chaos für alle Sinne! Aber ich hatte ja meine Anstandasdame Ginny dabei – und da die kleine Dame ganz cool und ruhig war, konnte ich mich schlecht daneben benehmen.
Als würde ich mich ständig in so illustrer Gesellschaft bewegen, habe ich den ganzen Tag fröhlich und entspannt den ganzen Hunde-Zirkus an mir vorüberziehen lassen. Kein Bellen, Fiepen, Heulen und Knurren meinerseits, Carlito Colombo ist ein Retriever von Welt.

Nachdem die Anmeldeformalitäten erledigt waren, sind wir erfreulicherweise erstmal spazieren gegangen – man kann ja nicht den ganzen Tag schön und stattlich sein.


Ich lernte Hedwig und Mio kennen, zwei „Paradiso`s“ aus dem Wurf von Taina, die auch Ausstellungsluft schnuppern wollten.
Insgesamt waren wir eine Gruppe von 9 Retrievern und ein Jack Russell, alle ruhig und freundlich, ich fand uns ganz schön cool. Der große Joey war zwischendurch ein bißchen aufdringlich, während die „Russen-Gang“ - die sanfte Nina und die Babys Leevy und Ilvi ganz locker waren. Aber Marion sagt, Joey ist eben ein Riesen-Baby, der wird noch erwachsen. O.k. - aber hoffentlich wächst er nicht mehr, sonst ist mein Ruf ernstlich in Gefahr.
Dann wurde es spannend.
Wir begaben uns in die Nähe des Ausstellungsringes und harrten der Dinge, die da kommen würden. Hier lernte ich Eddy kennen, einen kernigen Shi-Tzu, den die Chefin aus der Hundeschule kennt. Er gab mir noch ein paar schlaue Tipps und dann ging es los.
Als erstes soll man, laut Eddy, den Richter nicht anspringen und auf keinen Fall in den Ring pinkeln. Auch verschärftes Spielverhalten mit den anderen Ausstellungshunden ist nicht erwünscht, außerdem darf man nicht in die Dekoration beißen, auch nicht in Richterhände oder -füße.


Gesagt, getan.
Ich trabte elegant in den Ring und stellte mich in Positur. Die Richterin kam – und dann, hey Eddy, das hattest Du mir nicht gesagt, fasste sie mir doch glatt ans Maul und zog mir die Lefzen hoch. Hallo, geht`s noch? Wie soll man denn da entspannt bleiben?

Bevor meine Gelassenheit allerdings in wahre Empörung umschlagen konnte, strich die Dame mir über den Rücken, und dann - fasste sie an meine heiligen Teile. Ich schluckte, wird hier denn gar keine Privatsphäre respektiert, aber da war es schon vorbei und die Chefin jubilierte und verwöhnte mich mit Wurst.
Danach konnte mich wirklich gar nichts mehr schocken. Wir trabten durch den Ring, machten Sitz und Platz und Steh, die Wurst-Quote stimmte und ich war es zufrieden.



Die beiden Richterinnen schrieben lange Aufsätze über Leevy und mich, wir müssen wahrhaft inspirierend gewirkt haben, sie hörten gar nicht mehr auf zu reden und zu schreiben.
Bevor es langweilig wurde, fing die Chefin an ein bißchen Tricks mit mir zu üben, mir war es recht.

Dann gab es neben dem Ring beinahe eine Beißerei, ein Rudel prolliger Hunde fing mit jedem vorbeikommenden Hund Streit an und die dazu gehörigen Menschen schrien und rissen an den Hunden rum. Leevy und ich betrachteten das Chaos gelassen, dachten aber beide im Stillen, welch Glück wir haben, dass unsere Chefinnen nicht solche A... - aber man darf im Ring auch nicht fluchen …

Schließlich durften wir den Ring verlassen und endlich konnten wir auch wieder ein bißchen Spazieren gehen.
Im Richterbericht stand später: “Sehr gute Proportionen, sehr schöner Lidrand (die Chefin meint das bezieht sich auf meinen Schlafzimmerblich durch lange weiße Wimpern), sehr guter Pflegezustand (hier fing Mette die Tochter von der Chefin laut an zu lachen), Rute ideal in Ansatz und Haltung (ach, die meint dat Pinselschen) und Gänge frei mit klarer Trittfolge (ja, auf meinen Mitteltrab ist die Chefin auch ganz schön stolz). Da stand natürlich noch mehr, aber auf jeden Fall hatten Leevy und ich beide gewonnen und sind jetzt World Gala Champion. Die anderen übrigens auch alle !
Ganz zum Schluss war dann noch eine Runde mit allen Golden Puppies unter 6 Monaten. Ich kam mir zwar unter den Zwergen etwas deplaciert vor, war auch ehrlich schon etwas alle, aber die Chefin zwitscherte mich so nett an, dass ich noch mal alle Kräfte mobilisierte und leichtfüßig im Kreis schwebte.



Gewonnen hat diese BOB-Runde der kleine Leevy, ich war total stolz auf meinen russischen Freund, in seinem Alter wäre ich bestimmt noch mitten im Ring eingepennt.


Zum Schluss sind wir noch auf eine tolle Wiese gegangen, die Chefin hat mir vorsorglich das Halsband abgenommen, und nach einem ausgiebigem Wälzen und ein paar tüchtigen Spurts durchs nasse Gras, fühlte ich mich wieder wie Carlito Colombo, Entdecker und Freund allen Matsches.
Ständig adelig und schön sein ist wirklich anstrengend,
aber es war trotzdem ein toller spannender Tag,
bis bald, Euer Champion
P.S. Und morgen schreibe ich Euch, was wir noch Tolles in der Mittagspause gemacht haben!
