Ich bin ein Früchtchen – sagt die Chefin! Ich bräuchte mal dringend disziplinarische Maßnahmen – sagt Bettina, die Kollegin von der Chefin! Ich bin der Größte – sage ich!!

Nachdem sich die Welpenstunde jetzt ja Junghundstunde nennt – die Menschen sagen, wir sind in die zweite Klasse versetzt worden, hat sich der Ton doch etwas gewandelt. Auf einmal geraten auch wirklich gute Freunde aneinander, hie und da wird das erste Bein beim Pinkeln gehoben (ich noch nicht, das wäre ja viel zu peinlich, wenn ich dabei umfallen würde) und aus gepflegtem Gekabbel, wird plötzlich ein heißes Gefauche und Geschnappe.
Die Chefin nimmt`s gelassen, sagt, das wären die Hormone, und bringt die Streithähne schnell wieder auf den rechten Pfad. Und siehe da, schon spielen alle wieder ganz nett miteinander.
Sam, der Welpenonkel, hat jetzt alle Hände, nein Pfoten, voll zu tun, um seinen Status durchzusetzen. Er bellt und schubst, knurrt und rempelt – und eigentlich fallen alle Junghunde auch mehr oder minder sofort um, zeigen unterwürfiges Verhalten und werden dann in Frieden wieder aufgenommen.
Alle – bis heute …
Nun kenne ich ja meinen Onkel Sam ziemlich gut, er tut zwar immer recht bärbeißig, aber in seinem Kern ist er herzensgut und total locker im Umgang mit anderen Hunden.
Doch heute fing er an und meinte, er müsse auch mir mal kräftig Bescheid sagen. Das fing letzte Woche schon an, da bin ich aber mit lustigem Ohrenschlenkern sofort weggerannt und habe mich unter dern Hindernissen versteckt.
Heute waren keine Hindernisse aufgebaut, aber ich bin ja nicht blöd: Wenn Sam hier eine große Show markiert, kann ich das auch – bin also mit all meinen Kräften gegen seine Scheinattacken angegangen. Klar hat er mich dann umgerannt, noch ist er ja deutlich größer als ich. Aber ich bin Carlito Colombo, ich stecke sowas weg, habe mich einfach fallen gelassen und mit meinem frechen, etwas zahnlosen Grinsen gesagt: „Ätsch, hat ja gar nicht weh getan.“
Sam wurde immer wuschiger und bellte mich tüchtig aus – ich eisern stehen geblieben, mich bellt hier keiner um, und dann kamen mir auf einmal Leo der Labradoodle, Bubbels, die Aussie-Maus und Donna die Brandlbracke zur Hilfe und hüpften auch bellend und zwackend um Sam herum – es lebe die Revolution! Zwergenaufstand! Chaos!
Naja, unsere Revolution war schnell zu Ende, die menschlichen Chefs haben sich auf Sam`s Seite gestellt und kurzer Hand alle Junghunde beiseite gedrängt - „hier wird nicht gemobbt, schon gar keine Welpenonkels!“ Stattdessen gab es eine Fussübung, was mir ehrlich gesagt ganz recht war – zitterten mir, wegen der körperlichen Anstrengung schon schier die Knie. Viel länger hätte ich das wohl nicht ausgehalten. Aber das hat gottseidank keiner gemerkt.
Für den Rest des Tages werde ich wohl Siesta halten – zuviel Revolution ist im Wachstum ungesund,
macht`s gut Euer Carlito
