An Weihnachten ist viel passiert, wie immer herrschte Trubel und Fröhlichkeit, gekoppelt an gutes Essen, eine Portion Wahnsinn beim Geschenke auspacken, aber auch viel Nähe, Ruhe und gemeinsames Kuscheln.

Und es ist etwas passiert, von dem wir wussten, dass es kommt, aber was alle gerne noch viele Wochen hinaus geschoben hätten: In aller Stille ist mein lieber Onkel Sam gestorben.
Sam war einer meiner herausragenden Lehrmeister, einer der immer Ruhe ausstrahlte, der immer souverän war, der niemals Streit anfing und immer den Überblick behielt. In den ganzen Jahren hat Sam sich nie gekloppt und wurde auch nie von anderen Hunden angegangen. Selbstbewußt und fein ließ er sich nicht unterbuttern, aber hatte auch kein Bedürfnis andere platt zu machen.
Er war mehr ein Hund des Wortes, wenn ihm etwas nicht passte, bekamen das alle lautstark zu hören.

Sam ist viele Jahre eine tragende Säule unserer Hundeschule gewesen, Generationen von Welpen haben durch ihn Respekt und Benimm gelernt und bei Einzelstunden mit schwierigen Hunden, hieß es grundsätzlich: „Als erstes testen wir ihn mit Sam.“


Schon als der kleine krummbeinige Jack Sparrow hier einzog, war Sam der Welpenonkel. Er hatte den Job von Bosse übernommen, der sich mehr für Obedience und Dogdance interessierte, als töffelige kleine Welpen zu erziehen. Sam hingegen fand seinen Job als Lehrer großartig. Zielsicher filterte er freche Kandidaten und bestand beharrlich und zugegebener Maßen oft ziemlich laut darauf, dass sie ihm Achtung und Referenz erwiesen.



Erst vor zwei Jahren begann er langsam kürzer zu treten, denn - unterschätzt es nicht – so ein Job als Welpenonkel ist ganz schön anstrengend! Immer wieder von vorne anzufangen und der nächsten Generation die Anstandsregeln des Hunde-ABC`s beizubringen, kostet Kraft und Nerven. Nerven hatte Sam wie Drahtseile, aber ganz langsam ließ die Kraft nach.
Und so war er doch ganz zufrieden, als Merlin seinen Job nach und nach übernahm.

Ich habe mich ja auch eine Zeit als Welpenonkelchen versucht, aber hoch gedrallerte Junghunde gehen mir nach kurzer Zeit ganz schön auf den Sender. Und wenn Ignorieren nicht hilft, bin ich mit meinem Latein schnell am Ende. Merlin hingegen hat sich von Sam genau zeigen lassen, wieviel Knurren, Zähne zeigen und Rempeln der einzelne Welpe braucht, er ist mittlerweile ein würdiger Nachfolger seines großen Vorbildes.
Ganz ehrlich, ich glaube, Sam hat Menschen nie so ganz ernst genommen. Wer einmal so blöd war und ihm auf dem Hundeplatz ein Leckerchen zusteckte, hatte ihn für den Rest der Stunde an der Tasche kleben – „Kühe müssen gemolken werden“ war sein Credo! Aber die Leute haben sich gerne auf seine Tricks eingelassen – wer kann so einem Wuschelhund schon widerstehen?



In jeglicher Gruppe von Hunden war Sam zuhause, ob bei gemeinsamen Unternehmungen oder hundesportlichen Aktivitäten. Übungen fielen ihm leicht und er konnte jede Menge Tricks. Allerdings hätte er keinen Trick zwanzig Mal hinter einander gezeigt und bei Druck stellte er völlig auf stur. Ein wunderbarer Lehrmeister für Menschen!

Jedes Lebewesen zieht eine goldene Spur von Erinnerungen hinter sich her und wenn es stirbt, so bleibt diese Spur in den Herzen derer zurück, die es gekannt haben.
Lieber Sam, deine Spur ist breit und golden – wir werden dich nie vegessen!
In Liebe, Dein Carlito
