Leute, hier war letzte Woche wirklich Land unter! Der Kater, unser allseits geliebter Schmuddel-Giovanni war verschwunden! So ein Kater hat ja seine eigenen Regeln und kommt und geht wie er will – aber unser Giovanni ist doch ein sehr häuslicher Typ, mehr Hund als Katze, und als er den zweiten Tag nicht wie gewohnt zum Frühstück erschien, wurde die Chefin unruhig.

Aber schließlich war es Wochenende, Hundeschule mit tausend fremden Hunden auf dem Grundstück, da kann es schon mal sein, dass so ein Kater sich vielleicht gemütlich bei den Nachbarn einquartiert – oder? Oder vielleicht nicht, die Unruhe wuchs.
Ab Sonntag Mittag war klar – der Kater ist weg! Die Chefs wanderten über das Grundstück und riefen und lockten, doch kein kleiner oranger Schmuddel erschien, soviel „Katzi, Katzi, Katzi ...“ sie auch riefen.
Die Chefin fing an zu heulen, denn auf den Kater ist Verlaß, der ist da, wenn man ihn ruft. Und wenn man vorher zwei Wochen lang in den Ferien war, der Kater sitzt an der Haustür und wartet schon, wenn man aus dem Auto aussteigt. Jack und ich wurden als Spürhunde eingesetzt und suchten die Remise und die Holzhäuschen ab, aber hund kann nichts finden, wenn nicht mal eine Spur vorhanden ist.


Am Montag hängte die Chefin überall in der Straße Plakate auf und fragte bei den Nachbarn nach. Es ist schon toll, dass Leute, mit denen man sonst nichts zu tun hat, plötzlich sehr anteilnehmend sind und helfen wollen. Die Chefin durfte sogar bei dem einen Nachbar in die Gewächshäuser und Schuppen schauen, weil sie dachte, der Kater hätte sich bei spätherbstlichen Aufräumarbeiten vielleicht einsperren lassen.
Aber nichts, nichts, nichts – der Kater blieb verschwundern und der Chefin ging ein Horrorszenario nach dem anderen durch den Kopf – lebhafte Fantasie kann auch ein Fluch sein! Wir Hunde folgten der Chefin tapfer über den Hof, völlig verwirrt von dem immer hoffnungsloseren “Such, such!“
Am Mittwoch, dem sechsten Tag des Verschwindens, zog die Chefin einen Strohsack aus der Tenne zu den Schafen und als sie wieder in die Tenne zurückkehrte stand da auf einmal der Kater - schwankend und völlig verstört, aber am Leben.
Was wirklich geschehen ist, werden wir nie erfahren, ob der Kater die ganze Zeit im Stroh gelegen hat, oder ob er sich erst nachts mit letzter Kraft hineingeschlichen hat. Fakt ist, dass die Chefin in den Sack geschaut hatte und bestimmt ein Dutzend Mal in der Tenne den Kater gelockt und gerufen hatte.

Fakt ist, dass irgendein Tier unserem Giovanni ans Leben wollte und dies auch fast geschafft hätte. Seine Kehle war von einem Ohr zum anderen durchlöchert und auch im Bauch waren zwei große Bißwunden. Wenn der Zufall die Chefin nicht zu diesem Sack geführt hätte, wäre Giovanni vielleicht im Stroh gestorben. Er war völlig dehydriert und die Schleimhäute waren schon weiß-gelb. Er konnte kaum laufen und sein Atem war ein pfeifendes Röcheln.
Kleiner selbstbewußter Kater, mit wem hast du dich da angelegt?
Die Tierärztin konnte es auch nicht mit Sicherheit sagen, aber sie reinigte die Wunden am Hals, gab eine Infusion unter die Haut und das komplette Antibiotika-Programm. Danach hieß es abwarten.

Wir Hunde waren sehr behutsam mit unserem Katzenkumpel: Jack und ich hätten ihn natürlich gerne von oben bis unten abgeleckt, aber die Chefin ließ uns nur ganz vorsichtig ein bißchen das Köpfchen putzen – sie hoffte, dass würde ihm Geborgenheit und Vertrauen geben.
Ich legte meinen Kopf ganz nah neben Giovanni auf den Schoß der Chefin, im Trösten und Ruhe ausstrahlen bin ich der Spezialist im Rudel.
Ganz langsam hat sich unser Katerchen wieder gefangen. Alles tat ihm weh und am Anfang hat er nicht mal das Wohnzimmer verlassen. Es war, als wäre all seine Lebensenergie aus ihn heraus geflossen und er müsste sich erst wieder darauf besinnen, was Leben heißt.

Auch jetzt, nach einer Woche ist er noch lange nicht der Alte, sein Selbstbewußtsein ist völlig zerbrochen und er läuft wie ein alter Katzenveteran herum, ein Schatten seiner selbst. Irgendwie muss der Killer seinen Kehlkopf gequetscht haben – denn Giovanni kann nicht mehr Schnurren, sondern pfeift wie ein alter Kettenraucher.
Ob er je wieder so fidel wird, wie auf dem Foto links?


Unser rotes Katerchen ist mehr denn je ein Schmuddel-Giovanni, aber er frisst und will seit gestern auch schon wieder für kurze Spaziergänge nach draußen. Eigentlich will die Chefin das nicht, denn der Killer ist mit Sicherheit noch da draußen, aber wer diskutiert schon mit einem Kater?

Leute, passt auf eure Katzen auf, und vergesst nicht ihnen regelmäßig einen feuchten Schmatz zu geben, sie gehören genauso zum Rudel wie ihr, Euer Carlito