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    25.10.2014, 23:24 Uhr

    Ginger`s Zuchttauglichkeitsprüfung


    Ist sie nicht eine schöne Dame geworden, unsere Ginger Miss Mollipops? Mit gut 2 Jahren hat sie ihre schlaksige Schlabberigkeit verloren und steht knackig und vor allem sonnig im Leben.


    In unserem Rudel sorgt sie für Action. Jack und ich müssen permanent als Sparrings-Partner zur Verfügung stehen, damit Madame ihre Figur in Form hält. Ansonsten ist sie die Ruhe selbst, jagt nicht, zickt nicht und ist einer von den Hunden, die eigentlich immer ohne Leine laufen können, weil sie immer da ist, wo sie hingehört (bis auf die wenigen Ausnahmen, wo sie sich in, na, ihr wisst schon, wälzt).

    Zeit also um auf die Ausstellung zu fahren und die Zuchttauglichkeitsprüfung abzulegen. Miss Mollipops reist natürlich nicht ohne ihre Groupies zu irgendwelchen Veranstaltungen und so machte sich unsere gewohnte Ausstellungscrew auf den Weg nach Kellinghusen, diesmal zum Euro-Master-Classic-Championat. Auch mein Kumpel Merlin ist jetzt reif und erwachsen und wurde ebenfalls zuchttauglich geschrieben.


    Langsam haben die Chefs richtig Routine, da wird kein Impfpass vergessen und die Ausrüstung sprengt fast den Wagen.
    Auch wir Hunde hatten uns schnell eingewöhnt, obwohl ich mich im ersten Moment vor einem fiesen, riesigen pöbelnden Schäferhund erschreckt hatte und dann erstmal alle anderen Rüden leise angeknurrt habe. Doch als ich nach einer Viertelstunde festgestellt hatte, dass mir keiner ernsthaft ans Leben wollte, war ich wieder ganz fröhlich und entspannt.




    Entsprechend positiv fiel der Richterbericht aus: „Ein sehr ringerfahrener Rüde, präsentiert sich vorzüglich – eine Freude für jeden Hundefreund!“ Die Chefin war stolz, ich nahm es gelassen. So eine Ausstellung ist ja eigentlich aus Hundesicht ziemlich albern: Man rennt drei Runden durch den Ring und schmeißt seine Pfoten so hoch es geht, danach steht man möglichst wie ein Standbild und versucht nicht weg zu schnarchen. Als ich zaghaft andeutete, dass wir ja auch noch ein paar Tricks einschieben könnten, meinte die Chefin entschuldigend: „Carlchen, ich weiß, dass Du Dich langweilst, steh einfach still, tu es für mich.“ Also gut, dann stand ich eben weiter prächtig vor mich hin und mimte die Statue. Wenigsten bekam ich hinterher einen großen Futterkong – solange die Gage stimmt, lässt sich der Retriever stundenlang ausstellen.

    Was sich die Menschen allerdings dabei denken, dass sie uns bei jeder Ausstellung wieder ins Maul greifen müsse, werde ich nie verstehen. Die Richterin war wirklich total nett, aber eigentlich erlaube ich niemand, den ich keine 2 Minuten kenne, dass er mir die Schnauze aufreißt. Ich habe dann so getan, als müsste ich würgen und dann durfte ich das Maul schnell wieder zu machen – ist doch wahr, meinen die, ich habe auf einmal weniger Zähne als beim letzten Mal? Nix da, 1a gepflegt meine Beißerchen, da lasse ich nichts dran kommen!


    Merlin hat auch gut abgeschnitten, langsam bekommt er seine Nervosität unter Menschen unter Kontrolle und sobald er laufen darf, zeigt er sich voller Elan und Spannkraft.

    Ginger hat bei ihrer ersten Ausstellung alle begeistert. Sie trabte munter durch den Ring, wedelte die Richterin an und zeigte keinerlei Scheu vor irgendetwas. „Diese Hündin besticht durch ihr souveränes Verhalten im Ring.“ Genau, das ist sie, unser Madamchen, echt cool!

    Und bei der Zuchttauglichkeitsprüfung wurde ihr bescheinigt, dass sie „eine elegante, harmonisch aufgebaute Hündin ist, die sich mustergültig präsentiert.“




    Was will man mehr, wobei – ich wüsste schon was ich noch mehr wollte, aber dafür müssen wir erstmal läufig werden ...


    Ginger und ich sind uns auf jeden Fall einig, dass man so einen Ausstellungstag am besten zusammen verbringt, zwischendurch noch nette andere Retriever und ihre Leute kennenlernt und ausführlich spazieren geht.


    Nach unserem Gang begann wieder der langweiligste Teil des Tages, warten auf das „BOS“ („Best of Show“), wobei wir Vierbeiner glücklicherweise die Möglichkeit hatten eine ausgiebige Siesta zu machen.




    Ich war den ganzen Tag super drauf und habe die Chefinnen ausgiebigst bespasst. Bevor die beiden einschliefen und sich nicht mehr auf uns Hunde und unsere Belange konzentrierten, tauchte ich einfach auf dieser oder jener Seite des Tischs auf und machte auf bedürftig. Ach, was bin ich viel gestreichelt worden an diesem Tag.


    Ginny war wie immer als unser Maskottchen mit von der Partie und führte zwischendurch eine Diskussion mit der Chfin, ob sie nicht doch a u f dem Tisch schlafen könnte, nachdem sie zugegebenrmaßen einmal von der Bank gefallen war und man wirklich nicht erwarten kann, dass ein Jack Russell auf dem Fussboden schläft.


    Aus unserem BOS ist übrigens leider nichts geworden: die Chefin war ganz fest davon überzeugt, dass wir gute Sieges-Chancen hätten, ich war echt noch nicht müde und lief voll im Schwebemodus, aber statt unser hat ein schwarzer Curly Coated Retriever gewonnen. „Macht nichts“, sagt die Chefin, wir sind alle „Gewinner der Herzen“ und das gefällt mir ehrlich auch viel besser. Die Sache mit den Pokalen, die man nicht essen kann, habe ich sowieso noch nie geschnallt.

    Es grüßen euch, Carlito und seine entzückende, züchterisch taugliche Ginger

    P.S.: Also dass Miss Mollipops zuchttauglich ist, hätte ich der Richterin schon nach der ersten Läufigkeit vor einem Jahr bestätigen können, aber mich fragte ja keiner.