Nun ist auch unser zweites Oma-Kätzchen von uns gegangen. Genau 4 Monate nach ihrer Schwester Krümel ist auch die zähe alte Klette hoch betagt verstorben.

Von Klette hat nie jemand behauptet, sie wäre eine Schönheit. Ihr schwarzes Fell war dünn und schäbig, die Beine o-beinig (wusstet ihr, dass Katzen auch HD haben können?) und die Augen weder gelb noch richtig grün.
Aber dieses kleine Kätzchen war so was von zäh und hatte einen selbst für Katzen hohen IQ. Während die Krümelkatze ständig irgendwo fest saß und dann schreiend gerettet werden musste, war Klette immer überall und nirgends. Die Chefin erinnert sich noch an alte WG-Zeiten, als alle beim gemeinschaftlichen Abendessen saßen und plötzlich lautes Hupen ertönte – das war Klette, die heimlich in den Bus des Tischlers eingestiegen war und nun energisch forderte, dass man sie gefälligst wieder heraus ließ.


Klette war es auch die unserem Lasse, verbrieftem Katzen-Jäger, der er war, so hemmungslos angstfrei entgegen trat, dass er doch tatsächlich anfing mit ihr zu schmusern.

Nie vergisst die Chefin, wie Klette Lasse unter einen Stuhl lockte, über dessen Lehne eine Jacke hing, und wie Klette sich dann köstlich darüber amüsierte, wie dem dösigen Lasse-Hund eben diese Jacke auf den Kopf fiel, während sie lässig davon schlenderte. Die Chefin schwört, sie habe es damals lachen gehört.

Klette war viele Jahre selbst ernannte Projektleiterin auf dem Hof: jeder Besucher wurde von ihr mit Pfotenschlag begrüßt, in jedem frischen Beton hinterließ sie ihre Pfoten-Abdrücke und jedes Bett wurde Probe gelegen.
Sie legte sich mit großen Ratten an und erlegte viele, viele Mäuse (deren Gedärme sie zur gefälligen Beachtung auf die Hausmatte legte).
Nicht einen Tag in ihren 16,5 Jahren war Klette krank und nicht einen Tag war sie nicht auf ihrem Hof unterwegs und schaute nach dem Rechten.

Erst nach dem Tod von ihrer Schwester Krümel knickte Klette ein – sie wurde auf einmal alt und ein bißchen tüdelig. Dass eine Katze trauern kann, war deutlich zu merken, Klette saß auf der Terasse und wusste nicht so recht wohin. Die Chefs haben sie dann trotz aller Stubenreinheitsbedenken mit ins Haus genommen und wir Hunde haben sie zusammen mit Giovanni dem Hauskater wieder aufgemuntert.

Sie hat dann noch einen schönen Sommer mit viel Schlaf in den diversen Betten des Hauses gehabt, kein schlechter Lebensabend für ein Kätzchen, dass sein ganzes Leben auf dem Hof nur in der Tenne gewohnt hat.
Aber Anfang der Woche wollten die alten Organe nicht mehr und als Klette beschloss, das Essen einzustellen und nicht mehr das Köpfchen hob, wenn man sie streichelte, wusste die Chefin, dass es so weit war.
Farewell, du alte weise Katze, wir haben Dich alle sehr gemocht, Dein Carlito
