Am Montag ist die Krümelkatze gestorben. 16 Jahre alt ist sie geworden – unsere kleine Dusselkatze! Ihre sieben Leben hat sie auf jeden Fall ausgelebt und verbraucht. Die Chefin hat mehrfach in den vergangenen Jahren geglaubt, dass ihr letztes Stündchen geschlagen hätte, aber als sie jetzt gegangen ist, tat sie dies ganz still und leise, im Schlaf (was kann es Schöneres geben?).

Vor 16 Jahren zog Krümel, oder Ginster wie sie auch genannt wurde, mit ihrer Schwester Klette hier auf dem Hof ein.
Sie war die Schönheit, während ihre Schwester die Intelligenz besaß. Während Klette schnell zur Projektleiterin aufstieg, den ganzen Hof unter Kontrolle hatte, und sogar den Katzenkiller Lasse zähmte, beschränkte Krümel sich darauf schön auszusehen. Wenn jemand schreiend im Birnenbaum hing und nicht wieder herunterkam, war das Krümel. Mäuse fand sie völlig unter ihrer Würde und während Schwester Klette sich sogar mit großen Ratten anlegte, stimmte Krümel einfach ein großes Geschrei an, wenn morgens das Trockenfutter nicht rechtzeitig gereicht wurde.


Dafür war sie eine große Schmuserin und immer freundlich, egal zu wem, Hauptsache derjenige war streichelwillig – sonst hat sie sich mit ihrem berühmten Milchtritt am Bein mit ausgefahren Krallen sehr schnell in Erinnerung gebracht.

Noch zwei Tage vor ihrem Tod ist sie, schon ganz abgemagert aber unverändert guter Laune, mitten durch eine Party pubertierender Jugendlicher inklusive fremdem Hund gelaufen, um sich streicheln zu lassen. Krümel war Berufsoptimist.
Mindestens zwei ihrer Leben hat sie verbraucht, in dem sie sich direkt vor Hundebesitzer auf den Rücken geschmissen hat, um sich kraulen zu lassen – nur dass diese Hundebesitzer ausgewachsene Rottweiler an der Leine hatten, von denen zumindestens einer Tötungsabsichten hatte.

Dann hat sie mal im Motorraum geschlafen, als die Chefin losfahren wollte und vor zwei Jahren hat sie sich mit einer nie identifizierten Substanz den kompletten Rachenraum verätzt. Krümel lag ein paar Tage auf den Tod darnieder, um dann wundersam zu genesen und lautstark ihre Freiheit zu verlangen.

Mit unserem Schmuddel-Giovanni verband sie eine Hassliebe – was haben die beiden sich gegenseitig aufgelauert. Aber gegen fremde Katzen haben sie sofort gemeinsam Front gemacht.
Nun ist es nicht mehr laut, wenn die Chefin morgens zum Füttern kommt, keine leuchtend grünen Augen, die funkelnd zu sagen scheinen: „Mach hinne, Du langsamer Mensch, ich warte schon seit Stunden und ich steeeeeerbe vor Hunger!“
Es ist irgendwie traurig, dass es gar keine gemeinsamen Bilder von Krümel und uns Hunden gibt. Diese alltäglichen Treffen hat nie jemand für interessant genug befunden, um sie zu fotografieren – schade, denn wir mochten uns und es gab immer einen Schlecker über das Köpfchen, wenn wir uns trafen. Vorbei – das Leben gibt uns keinen einzigen vergangenen Moment zurück.
Adieu, kleine Krümelkatze, Du hast einen wichtigen Abschnitt unseres Lebens begleitet,
es grüßt im Namen der Hofgemeinschaft, Carlito
