So schnell vergeht die Zeit – schon verlasse ich die Jungrüdenzeit und beginne die Ära des voll erwachsenen Rüden.

Die Chefin sieht es mit einem lachenden und einem weinenden Auge: In der Arbeit kommen wir gut voran, langsam nähern wir uns den wirklich anspruchsvollen Sachen und ich konzentriere mich, wenn ich arbeite, egal, ob neben mir eine läufige Hündin ist, oder nicht. Da war Good-Old-Jack in dem Alter noch deutlich schlechter ansprechbar.
Andererseits finde ich das schöne Geschlecht wirklich seeeeeeehr attraktiv und auf Spaziergängen versinke ich gerne mal in den Düften und Gerüchen der Hundewelt und die Chefin muss manchmal doch ein bißchen lauter rufen, damit ich nicht im Stechschritt am Horizont verschwinde. In der Spiel- und Spassstunde ist kein fesches Mädel und, seien wir ehrlich, auch kein kastrierter Rüde vor mir sicher – die Chefin muss meine vulminanten Annäherungsversuche regelmäßig unterbrechen.
Bevor Ginger läufig wurde, sind mir doch tatsächlich bei zwei hibbeligen Jungrüden die Nerven durchgegangen, und ich habe sie vermöbelt, als sie sich bei Ginger einschmeicheln wollten. Mein Mädchen – jawoll! Die Chefin knirschte mit den Zähnen und nimmt uns vorläufig nicht mehr gemeinsam in die Grundkurse.
Aber unsere schöne Püppie soll eben von keinem anderen angeguckt werden – es reicht schon, dass ich sie mit Jack und Merlin teilen muss.

Wobei, jetzt nach der Läufigkeit ist es mir eigentlich wieder egal, ich werde mal nicht so sein – bis zum nächsten Frühling darf sie spielen mit wem sie will. Ich halte lieber nach anderen interessanten Damen Ausschau.
In unserer Familie bin ich der Seelenhund, der die Traurigen tröstet, die Wütenden befriedet und die Unruhigen besänftigt. Zwei- wie Vierbeiner suchen meine Nähe und alle werden solange sanft beschmust oder abgeleckt, bis sie sich entspannen und wieder fröhlich sind. Ich bin ihr großes Geschenk, sagt die Chefin, und deshalb verzeiht sie mir auch die spätpubertären Entgleisungen und den Sturkopf.

Leute, nehmt das Leben, wie es kommt – bei genauerem Hinsehen findet man meistens etwas Schönes oder Lustiges, und schon ist die gute Laune wieder da,
es grüßt euch, Euer Carlito
